23.11.11

Verein zur Verzögerung der Zeit

In einem Interview sagt Mark Riklin, der "Begründer des Vereins zur Verzögerung der Zeit", Folgendes:

"Das Problem ist, dass auch die Frei-Zeit durch diese Termine nicht wirklich frei ist, sondern getaktet, eingeteilt nach Stundeneinheiten. Dieses Durchplanen unserer Zeit führt zum Gefühl, nie genug Zeit zu haben.
Menschen, die aus dem System herausfallen, weil sie arbeitslos, krank oder alt sind, haben wohl mehr Zeit zur freien Verfügung, erleben aber oft, dass sie nicht lernen konnten, selbständig mit ihrer Zeit und Energie umzugehen. Unsere Gesellschaft teilt sich immer mehr in die einen, die zu wenig Zeit haben und ausbrennen (Burn-Out), und die anderen, die zu viel zeit haben, unterfordert sind und sich langweilen (Bore-Out). Hinter Burn-Out steht auch häufig das Auseinanderklaffen von hohen Fähigkeiten und niedrigen, starren Anforderungen."

in: Freies Geistesleben November 2011

Der Begriff "Bore-Out" ist mir neu, wunderbare Formulierung. Im Systema Training ist diese Gegenüberstellung auch hilfreich. Wenn die Anforderungen zu hoch sind und zu wenig Zeit besteht, das Gelernte zu verarbeiten, entsteht die Vorstufe des Burn-Out: die Leute sind überfordert und machen dicht.

Sind die Leute unterfordert, fangen sie an sich zu langweilen. Der "Bore-Out" tritt dann ein, wenn man sich nicht auf die innere Arbeit einlassen kann. Zum Glück entsteht das im Systema recht selten. Denn es ist wirklich schwer, in der perkussiven Arbeit, im Atemtraining, in der Haltungsarbeit, im Strategietraining "neben sich zu stehen". Im Gegenteil, Systema Training führt zu einer direkten Begegnung mit deinen eigenen Schwächen, und du lernst, deine Möglichkeiten besser einzuschätzen.

Nicht zu schnell im Training (Überforderung), nicht zu langsam (Unterforderung), in dieser Balance kann der Flow, das wellenartige Fließen im Systema gelingen.  

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Buch "Flow" von Mihaly Csikszentmihalyi.