25.01.11

Die Geschichte der russischen Kampfkunst


Die russische Kampfkunst geht zurück auf das 10. Jahrhundert und wurde von einer Vielzahl von geografischen, klimatischen, historischen, religösen und kulturellen Bedingungen des Landes beeinflusst.

Russland hatte immer Angriffen aus allen Himmelsrichtungen standzuhalten. Jeder Angreifer brachte seine besonderen Kampfstil und seine eigenen Waffen mit in die Auseinandersetzung. Die Schlachten fanden auf unterschiedlichem Terrain statt, im eiskalten Winter genauso wie in der Hitze des Sommers. Oft waren die russischen Krieger ihren Gegnern zahlenmäßig unterlegen.

Aufgrund all dieser Faktoren entwickelten die Russen einen Stil, der einen extrem starken Kampfgeist mit innovativen Taktiken und Strategien verbindet. Die russische Art zu kämpfen war effektiv, praktisch und gefährlich gegen im Prinzip jede Art von Gegner und Angriff. Der russische Kampfstil  blieb in seinen Bewegungsprinzipien natürlich und war frei von Routine. Es gab keine festen Regeln oder sonstige Beeinträchtigungen – außer für die Moral. Die Kriegsführung war absolut ergebnisorientiert.

War eine Schlacht geschlagen, kehrten die Krieger auf ihre Felder zurück und nahmen ihre tägliche Arbeit wieder auf. Das Kriegshandwerk und die tägliche Arbeit, die Kunst zu kämpfen und zu leben standen nicht im Widerspruch zueinander. Regelmässig wurden Wettkämpfe veranstaltet. Faust- und Ringkämpfe, Stock- und Messerkämpfe zwischen Einzelnen oder Gruppen (mit bis zu 10.000 Teilnehmer wie zum Beispiel in St. Petersburg) gehörten zum russischen Alltag. 

Das Training begann manchmal schon im Alter von zwei Jahren. Anfangs benutzten die Jungen Spielzeugwaffen. Bereits mit vier Jahren lernten sie, ein Pferd zu reiten. Von zehnjährigen Jungen erwartete man, dass sie den Umgang mit Holzwaffen in Grundzügen beherrschten, und Zwölfjährige sollten Kampftechniken ohne Waffen anzuwenden wissen. Im Alter von 18 Jahren wurden die jungen Männer in all diesen Fertigkeiten geprüft. Auch Schwimmen und Atmen unter Wasser durch ein Rohr zählte dazu. Von den jungen Männern wurde zudem erwartet, dass sie Hinterhalte erkannten. Sie hatten ein Überlebenstraining zu bestehen - allein zurückgelassen, fern von jeder Hilfe, ohne Essen oder Waffen. 

Diese großartigen Fertigkeiten im Bereich der Kampfkunst und diese während 1000 Jahren entwickelte Tradition verlor sich  unter dem kommunistischen Regime. Nach der Revolution von 1917 wurde alles traditionell Russische unterdrückt - jeder, der die traditionelle Kultur lehrte, wurde bestraft. So kam es, dass der authentische russische Kampfstil nur noch von den Eliteeinheiten der russischen Streitkräfte erlernt und gelehrt wurde.

Spetznaz oder "Voiska Spetsialnogo Naznachenia" steht für die russischen Spezialeinheiten, von denen einige wenige für die gefährlichsten und risikoreichsten Einsätze mit diesem Kampfstil ausgebildet wurden.

Das für Normalmenschen unglaublich umfangreiche Training umfaßte alle drei Ebenen der menschlichen Fähigkeiten, die körperlichen, psychischen und seelischen. Diese Soldaten wurden echte Meister des alten russischen Systems und perfektionierten es weiter in zahlreichen verdeckten Militär- und Geheimdienstoperationen sowie auf höchster Ebene des Personenschutzes.


Durch die Ausbilder der russischen Spezialeinheiten, vor allem durch Mikhail Ryabko und Vladimir Vasiliev ist die russische Kampfkunst als  Systema Anfang der 90-er Jahre im Westen bekannt geworden. Bereichert durch die modernen Forschungsergebnisse in den Bereichen der Biomechanik, Physik, Medizin und Psychologie ist die russische Kampkunst heute ein höchst komplexes und wirkungsvolles System zur Verbesserung der eigenen Kampffähigkeit sowie der eigenen Gesundheit.


Die wichtigste Errungenschaft im modernen Systema ist vielleicht, dass es sich deutlich der Gesundheit und Integrität des modernen Menschen zuwendet, ohne dabei an kämpferischer Wirksamkeit zu verlieren. 


Das Schlüsselprinzip dabei ist die Nicht-Zerstörung. Keiner soll Schaden nehmen, wenn nicht unbedingt nötig. Systema hilft uns, unsere Beschränkungen und Schwächen besser zu  verstehen. Mit diesem Verständnis werden wir menschlicher, erlangen geistige Stärke und Bescheidenheit.